La mesure de l'instant

Beitrag / contribution

Christof Schöch: "'La mesure de l'instant'. Romanszene und Malerei in der französischen Spätaufklärung", in: Zeitlichkeit in Text und Bild, ed. Franziska Sick & Christof Schöch, Heidelberg: Winter, 2007, S. 25-40.

Abstract

"Il faudrait inventer une mesure de l'instant ; car ses dimensions varient". So beginnt Georges Poulet seine Geschichte des Augenblicks in der Literatur (Études sur le temps humain, vol. 4, 1964). Dieser Beitrag geht der Frage nach der Dauer des Augenblicks im Roman der französischen Spätaufklärung in einer intermedialen Perspektive nach. Die Beziehungen der Künste zeichnen sich im 18. Jahrhundert durch eine spannungsreiche Dialektik von gegenseitiger Bezugnahme einerseits, dem Bewusstsein ihrer Spezifik andererseits, aus. Unter diesen Bedingungen ist die Funktion des Bezugs zur Malerei im Roman darin zu suchen, dass dieser sich damit Qualitäten anzueignen versucht, die im Grunde der Malerei spezifisch sind. Zunächst gilt es also zu klären, welche Zeitstruktur der Malerei im 18. Jahrhundert zugesprochen wird: die Begrenzung der Malerei auf einen einzigen Augenblick, aber auch ihre Fähigkeit, dem Augenblick eine gewisse zeitliche Spanne und Dauerhaftigkeit zu verleihen, scheinen in dieser Hinsicht zentral. Wenn der Roman nun unter dem Leitbegriff des 'tableau' auf die Malerei zurückgreift, welche Dauer und Qualität hat dann der auf diese Weise dargestellte Augenblick? Dieser Frage wird anhand einiger zentraler Szenen aus französischen Romanen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachgegangen, in denen sich der Bezug von Augenblick und Dauer, Simultaneität und Sukzessivität, Narration und Deskription auf je unterschiedliche Weise darstellt: Dorats Les Sacrifices de l'Amour (1771), Sades Aline et Valcour (1788/1795) und Révéroni Saint-Cyrs Pauliska ou la perversité moderne (1798).

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